Einen Podcast zu starten klingt erst einmal nach viel Technik: Mikrofone, Schnittprogramme, Hosting-Plattformen, Musik, Sounddesign … aber ganz ehrlich? Du benötigst für den Anfang nichts davon. Was du brauchst, hast du wahrscheinlich jetzt gerade in der Tasche: dein Smartphone. Denn das reicht völlig aus, um mit dem Podcasten zu beginnen.
Der Einstieg ist überraschend einfach – und genau darum geht’s hier. Dieser Text zeigt dir, wie du mit minimaler Ausrüstung loslegst, worauf du bei der Aufnahme achten solltest und warum es vollkommen okay ist, wenn die erste Folge noch nicht perfekt ist.
Aufnahme mit Bordmitteln: Sprachmemos & Co.
Wenn du ein iPhone hast, kennst du vielleicht schon die App „Sprachmemos“. Die muss nicht extra installiert, werden. Die App funktioniert zuverlässig und ist super einfach zu bedienen. Auch auf Android-Geräten gibt es ähnliche Apps mit Namen wie „Diktiergerät“, „Sprachaufnahme“ oder „Recorder“ – je nach Hersteller.
Du musst nur die App öffnen, auf „Aufnehmen“ tippen – und schon kann’s losgehen. Kein Schnickschnack, keine Einrichtung. Genau richtig, wenn du schnell eine Idee oder eine Reflexion festhalten willst.
Und die Qualität?
Klar – mit einem externen Mikrofon kannst du die Tonqualität verbessern. Aber die Mikrofone in modernen Smartphones sind erstaunlich gut. Wenn du ein paar einfache Dinge beachtest, klingen deine Aufnahmen klar, verständlich und angenehm:
- Sprich direkt ins Mikrofon. Nicht zu weit weg, nicht zur Seite – frontal, in normaler Sprechlautstärke.
- Such dir einen ruhigen Raum. Vermeide Räume mit starkem Hall (z. B. kahle Klassenzimmer oder Treppenhäuser). Teppiche, Vorhänge oder Sofas helfen dabei, den Klang „weicher“ zu machen.
- Reduziere Störgeräusche. Kein offenes Fenster, keine klappernden Tastaturen, kein Handyvibrieren – das alles hört man deutlicher, als man denkt.
Achtung, Hall!
Das größte Problem bei Sprachaufnahmen ist oft nicht das Mikrofon – sondern der Raum. Klassenzimmer, Büros oder andere Räume mit vielen glatten Flächen (Tische, Fenster, Türen, Wände) reflektieren den Schall. Das sorgt für Hall – und der macht die Aufnahme unklar und unprofessionell.
Was hilft?
Der Schall braucht weiche Materialien, um nicht ständig zurückgeworfen zu werden. Im Tonstudio gibt es dafür Schaumstoff, Vorhänge und Teppiche – im Klassenzimmer leider selten. Aber: Mit ein paar einfachen Tricks kann man auch dort für bessere Akustik sorgen:
- Kopf unter die Decke: Klingt albern, wirkt aber Wunder. Eine einfache Decke über Kopf und Mikro schafft eine Mini-Aufnahmekabine.
- Jacken & Hoodies aufhängen: Je mehr weiche Stoffe im Raum, desto besser.
- Möbel verrücken: Wenn ihr in einer Raumecke aufnehmt (nicht in der Mitte!) und den Tisch mit einem Pullover „dekoriert“, habt ihr schon viel gewonnen.
Mehr als man denkt – sogar in der Standard-App
Die App „Sprachmemos“ auf dem iPhone kann übrigens mehr, als viele wissen:
- Aufnahmequalität optimieren: Für klareren Ton – ideal, wenn du leise sprichst oder Umgebungsgeräusche hast.
- Stille automatisch überspringen: Spart Zeit bei der Wiedergabe – perfekt für Interviews oder lange Monologe.
- Aufnahmen kürzen: Du kannst den Anfang oder das Ende einer Aufnahme direkt in der App abschneiden.
✂️ Die Bearbeitung? Machen wir später – am Rechner!
Viele denken, man müsse direkt im Handy alles schneiden, kürzen und exportieren. Aber das ist gar nicht notwendig. Wir machen die eigentliche Bearbeitung später am Computer, denn dort:
- hast du ein größeres Display,
- siehst die Tonspur besser,
- und kannst bequemer Passagen löschen oder verschieben.
Vielleicht hast du dich verhaspelt, musstest neu anfangen oder es gab eine längere Stille? Kein Problem – das schneiden wir später raus. Das nimmt dir den Druck, alles in einem perfekten Durchgang hinzubekommen.
Audacity – kostenlos und super praktisch.

Für die Bearbeitung von Sprachaufnahmen ist Audacity eine gute Wahl – vor allem, wenn es nur darum geht, Stille, Ähmsoder kleinere Versprecher herauszuschneiden. Die Software ist kostenlos, Open Source und läuft auf Windows, macOS und Linux.
Du musst sie nicht kaufen, sondern kannst sie einfach herunterladen und direkt loslegen. Für viele Podcast-Projekte – besonders im schulischen Kontext – reicht Audacity vollkommen aus. Auch wenn man Audacity vielleicht nicht ausschließlich so benutzt: Beim Schneiden von Sprachaufnahmen beachte ich die Wellenform. Daran erkennt man gut, wo ein „Ähm“ beginnt und endet. Diese Stellen lassen sich ganz einfach mit der Maus markieren und löschen.
An der Schule setzen wir dennoch auf Ultraschall als Hauptsoftware zur Podcast-Erstellung. Ultraschall ist ein speziell für Podcasts optimiertes System, das auf der professionellen Audio-Software Reaper aufbaut. Es bietet eine intuitive Oberfläche, viele praktische Funktionen wie Kapitelmarken, Soundpads oder Einspieler – und eignet sich besonders gut, wenn man Podcasts regelmäßig und hochwertig produzieren möchte. Damit arbeiten wir wie echte Podcast-Profis.
Und warum das Ganze?
Ein Podcast ist mehr als nur eine Tonaufnahme. Du formulierst Gedanken aus, setzt dich mit Themen auseinander und lernst, wie du dich klar ausdrückst. Gerade in Schule, Ausbildung oder Studium ist das eine echte Chance: Du reflektierst, dokumentierst und präsentierst Inhalte – in deiner eigenen Stimme.
Podcasting fördert:
- Medienkompetenz
- Selbstorganisation
- Sprachgefühl
- Ausdruckskraft
und macht nebenbei auch noch Spaß
Fazit
Du brauchst keine teure Ausrüstung, kein Tonstudio und kein spezielles Wissen, um zu starten. Du brauchst nur dich – und dein Handy. Der Rest kommt mit der Zeit: Erfahrung, Technik, Routine. Wichtig ist, dass du einfach anfängst. Also: Handy raus, App starten, los quatschen. Dein Podcast beginnt genau jetzt.

